Werdet Ihr gerne angesprochen?

Diese Frage geht an alle Fotografen unter Euch, die auch draußen unterwegs sind, ob das in der Natur ist oder in der Stadt – werdet Ihr gerne auf Euer Tun angesprochen?
Ich bin da immer sehr im Zwiespalt. Ich habe durch das „Angesprochen-werden“ schon sehr liebe Leute kennengelernt, mit denen ich bis heute Kontakt halte. Ich habe aber auch schon durch solche Störungen erlebt, dass Tiere, die bis zu diesem Zeitpunkt entspannt ihrer Tätigkeit nachgingen, dann in diesem Moment – zack – verschwanden, was mich immer sehr traurig und in manchen Fällen sogar ärgerlich machte. Es ist auch schon passiert, dass ich durch die Ablenkung meinen Fokus verliere und dann eben doch das Auge vom Sucher nehme, obwohl ich mir vorher fest vorgenommen habe, dies nicht zu tun.
Da ich meistens nicht durchs Unterholz krauche, um meine Fotos zu machen, sondern auf den Wegen bleibe, kommt es unweigerlich zu Begegnungen mit Passanten. Ich kann aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass die Menschen, die einen ansprechen, zu 99 Prozent gute Absichten haben oder einfach nur neugierig sind. Die Frage, die ich am häufigsten zu hören bekomme, ist: „Was fotografieren Sie denn da?“ Das zu beantworten, fällt mir manchmal gar nicht so leicht – siehe meine abstrakten Bilder – z. B. wenn ich mein Objektiv „einfach so ins Gebüsch halte“. Viele Leute erzählen mir dann auch gerne, was sie alles für tolle Tiere gesehen habe. Über solche Begegnungen freue ich mich immer sehr, erstens, weil es das Interesse meiner Mitmenschen für unsere Natur zeigt und, ganz uneigennützig (räusper), weil ich so vielleicht auch neue Motive kennenlerne.
Es macht mich allerdings sehr nervös, wenn ich gerade durch den Sucher blicke und ich spüre, es bleibt jemand – vielleicht auch noch dicht – neben mir stehen. Das ist eine äußerst unangenehme Situation für mich, da ich dem Zwang, aufzublicken, fast nicht widerstehen kann. Unweigerlich ist dann der spezielle Fotomoment vorbei, z. B. eine Wespenspinne von VORNE vor die Linse zu bekommen, so dass man ihre kleinen Äuglein sehen kann. Eine Ansprache, ein Ausatmen zu viel und husch-husch, dreht sie sich wieder in ihre übliche Position (für die, die es nicht wissen: Hintern nach oben!)
„Was fotografieren Sie da?“
Die Versuchung: „Jetzt gar nichts mehr!“ zu sagen, ist sehr groß, aber ich weiß ja, wie die Leute es meinen und lasse mich fast immer auf ein Gespräch ein.
Ich kann nur jedem raten: Wenn Ihr einen Fotografen ansprechen wollt, dann wartet bitte einfach, bis er die Kamera runternimmt und stellt Euch vielleicht nicht direkt neben ihn. Die meisten Fotografen haben ohnehin relativ feine Antennen und spüren rasch, ob sich jemand für sie interessiert. Ein nettes Lächeln und schon kann das Gespräch beginnen – und sich vielleicht sogar neue Freunde finden.
Hier unten seht Ihr ein paar Bilder der letzten Zeit.

You may also like

Back to Top