Fotografieren für Wettbewerbe
Wieder mal eine Frage an die Fotografen unter Euch: Nehmt Ihr an Wettbewerben teil? Und wenn ja, an welchen? An wie vielen im Jahr? Macht Ihr das aus reinem Spaß oder aus dem Gefühl heraus, dass man sonst nicht „gesehen“ wird? Und wie fotografiert Ihr für Wettbewerbe? Zieht Ihr extra los mit der Absicht, Wettbewerbsfotos zu schießen? Macht Ihr dann etwas anders als sonst?
Fragen über Fragen.
Ich nehme jedes Jahr an nur einem Wettbewerb teil, nämlich dem GDT Naturfotograf des Jahres, also der GDT-internen Veranstaltung, die nur offen ist für GDT-Mitglieder. Dieser Wettbewerb ist kostenlos, was für mich ein ganz großer Pluspunkt ist.
Ich muss zugeben, ich habe immer ein bisschen so meine Probleme mit Wettbewerben. Ich schaue mir von den großen Wettbewerben eigentlich immer die Ergebnisse an und erlebe fast jedesmal ein Wechselbad der Gefühle, welches mir immer wieder auf´s Neue zeigt, WIE SEHR diese Abstimmungen eine Frage des persönlichen Geschmacks sind.
Ich bin beim Anschauen der Bilder hin- und hergerissen – einerseits, weil oft Fotos dabei sind, die so überragend gut sind in ihrer Gestaltung, ihrer Stimmung, ihrer Idee und Umsetzung, dass ich das Gefühl habe, dass ich ohnehin bei keinem Wettbewerb teilnehmen brauche, denn ich habe gegen solche Bilder ohnehin keine Chance. Andererseits finde ich aber auch immer wieder Fotos in den Topergebnissen, ja manchmal sogar auf den ersten Plätzen, bei denen ich mich ernsthaft frage, wie es dazu gekommen ist. Es sind oft Bilder, die bei mir bestenfalls im Ordner „Erinnerungen“ als kleines jpg gelandet wären. Manchmal nichtssagend, manchmal unspektakulär, manchmal sogar sehr „drüber“, was die Bearbeitung angeht, mit schreienden Farben, die es hundertprozentig so in der Natur nicht gegeben hat.
Für mein ganz persönliches Empfinden kommen noch ein paar Aspekte dazu, die ich schwierig finde in Bezug auf Wettbewerbs-Teilnahme. Oft sehen wir in deutschen oder europäischen Wettbewerben Fotos von Tieren, die klar in Afrika, Asien, Australien, Amerika leben. Und manchmal denke ich mir dann, dass die Bilder weniger das fotografische Können abbilden, sondern vielmehr, welche finanziellen und zeitlichen Privilegien der jeweilige Fotograf hatte. Auch Berufs-Fotografen stehen meistens andere Möglichkeiten offen als dem durchschnittlichen Arbeitnehmer, der neben seiner 40-Stunden-Woche noch seine Aufnahmen macht. Manchmal denke ich, es wäre schön, wenn es mal ein Kriterium wäre, dass die Fotos eben auch im Heimatland entstanden sein müssen, wenn es z. B. schon ein deutscher Wettbewerb ist.
Was mich auch immer abstößt, sind die Siegerbilder der Kategorie „Mensch und Natur“ (z.B. beim WPOY), die oftmals einfach nur Tierleid zeigen. Ich will sowas in Naturfoto-Wettbewerben nicht sehen, ich verorte diese Art der Bilder eher in den Journalismus und in dortige Wettbewerbe.
All diese Punkte ergeben für mich, dass ich eigentlich gar nicht so gerne an Wettbewerben teilnehme. Ich habe auch nicht unbedingt Lust, beim Fotografieren immer im Hinterkopf zu haben, dass da vielleicht ein gutes Wettbewerbsfoto bei rauskommen sollte.
Der britische Fotograf Henry Turner hat über dieses Thema einmal ein Youtube-Video gemacht, in dem er erklärte, warum er nicht an Wettbewerben teilnimmt. Kurz gesagt, er empfindet es deswegen als schwierig, weil die Beurteilung eines Fotos ja immer etwas extrem SUBJEKTIVES ist. Und das sehe ich genauso, so erklären sich auch immer die Wettbewerbs-Ergebnisse, die ich oft nicht nachvollziehen kann. Geschmäcker sind nun mal verschieden, es gibt kein Bild, was jedem gefällt und jedes Bild wird dem einen gefallen und dem anderen nicht.
Trotzdem habe ich auch dieses Jahr wieder am internen GDT Wettbewerb teilgenommen, einfach weil ich ein Teil der GDT bin und das für mich auch irgendwie dazugehört. Alle weiteren Wettbewerbe werde ich weiterhin aufmerksam verfolgen und mir wie jedes Jahr meine eigenen Gedanken dazu machen.