Horror KI
Diesen Sommer haben mich zwei Schlagzeilen aufgerüttelt. Zum einen hat eine Frau namens Kate Adamala (was für ein Name in diesem Zusammenhang!) mit ihrem Wissenschaftsteam eine künstliche Zelle erschaffen, die sich selbst reproduzieren kann und zum zweiten ist OpenAI aus einer eigentlich sicheren Umgebung ausgebrochen und hat ein anderes Unternehmen gehackt.
Bei beiden Nachrichten kam mir spontan der Gedanke: „So fangen Horrorfilme an.“ Nur dass wir schon mittendrin sind im Horror und nicht wissen, wohin das alles noch führt.
Versteht mich nicht falsch – ich bin schon für den Fortschritt, ich finde es auch spannend und für viele Bereiche sehr hilfreich – aber neue Technik muss kontrollierbar sein und bleiben, damit kein Schaden entstehen kann – und hier sehe ich große Defizite in unserer Welt.
In Bezug auf Fotografie und Kunst habe ich allerdings eine ganz klare Meinung, was die Verwendung von KI angeht. Ich habe nichts gegen kleine Instagram-Filmchen, bei denen klar gekennzeichnet wird: Dieser Film ist KI-generiert – oder bei denen von vornherein klar ist, dass das nicht real ist, z. B. kochende Teddybären oder Haustier-Drachen. Alles, was darüber hinausgeht, finde ich einfach nur verabscheuungswürdig. Ich gebe hier nur mal ein Beispiel: Letztens habe ich eine Werbung bekommen, in der mir mit begeisterten Worten verkündet wurde, ich solle doch ein Buch mithilfe von KI in ein paar Stunden erstellen, damit ließe sich nämlich richtig viel Geld verdienen.
Meinen Würgereiz konnte ich fast nicht mehr unterdrücken und habe das auch genauso kommentiert. Wer bitte will denn so einen Schund lesen? Aber anscheinend genug Leute, denn sonst wäre es ja kein Geschäftsmodell – und ich empfinde das als Schlag ins Gesicht eines jeden echten Autoren, wie ich ja auch einer bin. Die Literaturwelt wird in einer Flut von KI-generiertem Mist versinken und bald wird man nicht mehr sagen können, ob das ein echter Mensch geschrieben hat oder eine seelenlose Maschine.
Für die Fotografie empfinde ich das selbstverständlich genauso. Ich habe nichts dagegen, Sensorflecken aus einem Bild herauszustempeln, halte aber ansonsten absolut nichts von Bearbeitung mit einer künstlichen Intelligenz. Für mich ist es Betrug, wenn ich einfach ganze Teile einer Bildkomposition entferne, verschiebe oder hinzufüge.
Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass Bildbearbeitung ja allgemein ein heikles Thema ist, wo hört „legitime“ Bearbeitung auf, wo fängt das Verfälschen der Realität in einem Maße an, welches ich nicht mehr mittragen kann? Das muss jeder für sich selber entscheiden, auch im Hinblick darauf, was man erschaffen will – ein Abbild der Natur? Oder ein künstlich erschaffenes Werk im Sinne von „künstlerischer Freiheit“?
Bedenklich finde ich aber z. B. dieses schon fast aggressive Gebaren von Lightroom, welches einen ja geradezu dazu drängt, diese neuen Tools zu benutzen. Da kann man ja noch von Glück sagen, dass die entsprechenden Werkzeuge – noch – gekennzeichnet sind mit dem Hinweis 'KI'.
Leider zieht diese ganze KI-Geschichte etwas nach sich, was mich ein wenig traurig stimmt – man wird im Alltag immer misstrauischer. Wem kann man noch glauben? Welchem Bild kann ich vertrauen? Was ist echt? Was nicht?
Geht Euch das auch so und wie geht Ihr damit um?
Hier ein paar echte Bilder ohne KI – vielleicht bearbeitet, aber auch das ist immer noch „handgemacht.“

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